TFA Umweltskandal: Chemie in unserem Trinkwasser | Die Spur

Im Jahr 2016 rückte eine bisher wenig beachtete Substanz erstmals in den Fokus der deutschen Umweltforschung: Trifluoressigsäure (TFA), eine sogenannte „Ewigkeitschemikalie“. Bei Messungen im Neckar und dessen Einzugsgebiet wurden damals deutlich erhöhte Konzentrationen dieser Verbindung nachgewiesen. TFA gehört zur großen Gruppe der PFAS (per‑ und polyfluorierte Alkylsubstanzen) und entsteht nicht nur als industrielles Nebenprodukt, sondern auch als Abbauprodukt zahlreicher anderer fluorierter Chemikalien, darunter Kältemittel, Pflanzenschutzmittel und pharmazeutische Wirkstoffe. Umweltbundesamt+1

Das Problem an TFA ist seine extreme Persistenz und Mobilität: Der Stoff wird in der Umwelt praktisch nicht abgebaut, ist in Wasser leicht löslich und kann durch natürliche Fließgewässer weit verteilt werden. Selbst hochwirksame Standard‑Aufbereitungsverfahren im Trinkwassersektor können TFA bislang nicht zuverlässig aus dem Wasser entfernen. Weil der Stoff weder an Sedimente bindet noch biologisch abgebaut wird, bleibt er über Jahre und Jahrzehnte im Wasserkreislauf. Umweltbundesamt+1

TFA ist aktuell nicht Bestandteil der in der europäischen Trinkwasserrichtlinie geregelten PFAS‑Grenzwerte, und gesetzlich verbindliche Höchstwerte für Trinkwasser existieren in Deutschland bisher nicht. Das Umweltbundesamt hat einen Leitwert von 60 Mikrogramm pro Liter (μg/L) als derzeit „toxikologisch tolerierbar“ vorgeschlagen, um eine gesundheitliche Gefährdung bei lebenslangem Konsum auszuschließen. Dennoch sehen Experten und Verbände niedrigere Zielwerte als notwendig an und fordern weitergehende Maßnahmen zur Reduktion der Einträge. gwf-wasser.de

Trotz der weitgehenden wissenschaftlichen Unsicherheiten werden toxikologische Risiken diskutiert: Behörden wie das Bundesinstitut für Risikobewertung haben TFA jüngst im Rahmen eines Klassifizierungsverfahrens als potenziell fortpflanzungsgefährdend eingestuft, und entsprechende Prüfungen durch die EU‑Chemikalienagentur (ECHA) laufen. Diese Einstufung basiert zu einem großen Teil auf Daten aus Tierversuchen, bei denen negative Effekte auf die Fortpflanzungsfähigkeit beobachtet wurden. Umweltbundesamt

Die Diskussion um TFA hat sich weit über Baden‑Württemberg hinaus ausgeweitet: Untersuchungen zeigen, dass TFA inzwischen in vielen europäischen Gewässern und in Trinkwasserproben nachweisbar ist, und internationale Studien dokumentieren die Präsenz des Stoffes auch in Lebensmitteln. Umweltschützer und Wasserwirtschaftler warnen, dass ohne eine konsequente Begrenzung von Vorläufersubstanzen, also der vielen Chemikalien, aus denen TFA entsteht, die Belastung in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen wird. t-online