Warum Kalk in Leitungen ein problematischer Faktor sein kann:
Kalk selbst ist chemisch harmlos, aber er wirkt in Trinkwasserinstallationen als „technischer Störfaktor“, der aber hygienische Probleme begünstigt. Das liegt vor allem an der Art und Weise, wie Calciumcarbonat (CaCO₃ in der Calcitform) und Magnesiumverbindungen in Warmwasser und unter Turbulenzen ausfallen und sich ablagern.
Hygienische Risiken durch Biofilme auf Kalk
Biofilme können u. a. Keime enthalten wie:
- Pseudomonas aeruginosa
- Legionella pneumophila
- Non-tuberkulöse Mykobakterien (NTM)
- Coliforme Keime
Warum Kalk die Risiken erhöht:
✔ 3.1 Vermehrte Stagnationszonen
Kalk führt zu:
- Düsenverengungen
- verstopften Perlatoren
- vermindertem Durchfluss
→ Dadurch entstehen mikrobiell kritische Warmwasser-Stagnationen, die zB. Legionellenwachstum massiv fördern.
✔ 3.2 Temperaturzonen in Geräten
Kalk isoliert Heizstäbe und Wärmetauscher.
Dadurch entstehen:
- lokal überhitzte Bereiche
- zu kalte Zonen
- ineffiziente Aufheizung des Wassers
→ Keime finden perfekte Lebensbedingungen, besonders bei 25–50 °C.
✔ 3.3 Höheres Legionellenrisiko
Wenn Warmwasser aufgrund von Kalkablagerungen nicht mehr zuverlässig 55–60 °C erreicht, steigt das Legionellenrisiko signifikant.
Auch wenn Kalk nicht direkt gesundheitsschädlich ist, verursacht er technisch bedingte Hygienerisiken:
✔ 4.1 Durchflussreduktion & Toträume
Toträume (Wasserzonen ohne Durchströmung) entstehen durch:
- Ventilverengungen
- Ablagerungen in Winkeln
- verstopfte Filter
→ Toträume sind ideale Brutplätze für Biofilm und Legionellen.
✔ 4.2 Funktionsstörungen in Armaturen
Kalk:
- blockiert Thermostatventile
- beeinträchtigt Mischtechnik
- verhindert vollständigen Wasserfluss
→ Armaturen können keine sichere Temperaturregelung mehr gewährleisten.
✔ 4.3 Geräteverschleiß
Besonders betroffen:
- Durchlauferhitzer: Verkalkung → geringere Erwärmung → mehr mikrobielles Risiko
- Warmwasserspeicher: Kalk → Sedimentschicht → Temperaturgradienten
- Boiler: Kalk → ungleichmäßige Erwärmung → Nährboden
✔ 4.4 Leitungsbeschädigungen
Über Jahre kann es zu:
- Inkrustationen
- Materialversprödung
- Korrosion (besonders Kombination Kalk + Kupfer)
→ Dies kann sekundär zu Einträgen in das Trinkwasser führen.
